Oldtimerfahrschule

Oldtimer-Fahrschule | Leseprobe

Richtig starten

1. Fahrstunde: „Wake me up“

Kapitel 1

Oldtimer sind „cool“ und absolute Sympathieträger. Sie begeistern mit klassischen Formen und verständlicher Technik. Im praktischen Fahrbetrieb erfordern sie allerdings – anders als moderne Autos – diverse Zugeständnisse und etwas Einfühlungsvermögen. Als einer, der die Materie seit Jahrzehnten kennt, möchte ich Ihnen in meiner „Oldtimer-Fahrschule“ näherbringen, wie Sie mit Ihrem Oldie glücklich werden – und er mit Ihnen. Das geht schon beim richtigen Starten los …

Fahrschule? Was soll das denn? Den „Lappen“ hab ich doch längst, wird sich der eine oder andere denken. Wer sich aber für ein älteres Auto interessiert, muss beim Umgang damit tatsächlich oft noch einiges dazulernen. Eine erweiterte „Fahrschule“, die hier das nötige Einfühlungsvermögen vermittelt, ist daher sicher sinnvoll. So mancher Zeitgenosse gerät beim Anblick eines alten VW Käfer, einer majestätischen Mercedes-„Heckflosse“ oder eines rassigen frühen Porsche 911 in Kauflaune. Der praktische Umgang mit dem Traumwagen lässt dann mitunter Ernüchterung folgen. Auf einmal erscheint einem das alte Auto wie eine Ansammlung von Fehlanzeigen: kein ABS, kein ESP, keine Getriebeautomatik, keine Airbags, keine Servolenkung und womöglich auch noch nicht einmal eine Bremskraftunterstützung. Von wirklich verzichtbaren „Gimmicks“ in Gestalt von „Keyless Entry“ oder einem Spurhalte- beziehungsweise Einparkassistenten ganz zu schweigen. Im Laufe der letzten Jahre sind viele Autofahrer durch die umfangreiche Komfort- und Sicherheitsausstattung moderner Fahrzeuge so – man verzeihe mir den Ausdruck – degeneriert, dass sie an einem Oldie hoffnungslos scheitern.
Der Grat zwischen der Faszination, die von alten Autos und ihrer Technik ausgeht, und der Verzweiflung daran kann verdammt schmal sein. Dazu zwei Beispiele aus nächstem Erleben:

Martin Henze und sein 54er-Standard-Käfer

Erst am zweiten Tag wurden sie Freunde: Martin Henze und sein 54er-Standard-Käfer mit unsynchronisiertem Getriebe und Seilzugbremsen

Als meine Angetraute neulich erstmals unsere Alfa Giulia bewegen wollte, die zu dem Zeitpunkt bereits einige Tage gestanden hatte, gelang es ihr nicht, den Motor zum Laufen zu bringen; die betagte Italo-Dame gibt sich „zickig“, wenn sie kalt geweckt werden soll – auch eine Form der „Diebstahlsicherung“, die sich jedoch mit etwas Gefühl und Übung problemlos überlisten lässt.

Der zweite Fall betraf mich selbst. Auch ich war vor über 20 Jahren schon mal kurz davor, meinen Führerschein wegen erwiesener Unfähigkeit freiwillig abzugeben, als ich zwei Tage lang am nicht synchronisierten Getriebe eines frisch erworbenen Standard-Käfer – Baujahr 1954 – zu scheitern drohte. Danach allerdings hatte ich den Bogen mit Doppelkuppeln und Zwischengas raus, sodass die Gangwechsel seither geräuschlos vonstattengingen. Es war der Beginn einer intensiven Freundschaft. Weniges bereitet mir heute hinterm Lenkrad mehr Vergnügen als die kleine Herausforderung, ohne Synchronringe zurechtzukommen. ... mehr lesen im .pdf Download


Das Buch

256 Seiten, Hardcover
25,00 €
incl. MwSt. und Versandkosten


ISBN 978-3-928593-11-3
© 2017 Verlag Helmut Horn
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